Konzeption zum Projekt 'living in a box'
In einem Alten- und Pflegeheim kommen sehr verschiedene Menschen im Seniorenalter zusammen. Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Lebenseinstellungen leben gemeinsam unter einem Dach. Persönliche Schicksale und die auch in der Öffentlichkeit oftmals diskutierte Anonymität treffen hier aufeinander.
Dieser Sachverhalt hat uns dazu veranlaßt, in die Arbeit an diesem Werk die BewohnerInnen des Alten- und Pflegeheimes ganz konkret in eine Phase mit einzubinden. Um das anfangs geschilderte Spannungsverhältnis zwischen dem Einzelschicksal und der Masse künstlerisch zu verarbeiten, baten wir die BewohnerInnen des Hauses, uns Erinnerungsgegenstände zur Verfügung zu stellen, die wir fotografierten. Bei dieser Gelegenheit kamen wir schnell mit den BewohnerInnen ins Gespräch, die uns Geschichten zu den Gegenständen erzählten und interessiert unserer Arbeit verfolgten. Diese sehr persönlichen Gegenstände wurden von uns verfremdet, indem wir sie auf weißen Stoff entwickelten anstatt auf Fotopapier. Aufgespannt auf einen Wellpappewürfel mit einer Kantenlänge von 21 cm erleben die Gegenstände eine Entpersonalisierung, die durch die gleichförmigen Würfel und die serielle Reihung unterstützt wird. Die Würfel sind in Quadratform (7x7 Würfel) installiert. Auf diese Weise scheint das Tageslicht von hinten durch die Kästen und illuminiert den Stoff, dessen Transparenz deutlich zu Tage tritt. Je nach den Lichtverhältnissen verändert sich damit auch der Charakter der Installation, welche die Betrachter aus verschiedenen Blickwinkeln her wahrnehmen können.
'Living in a box' ist für uns nicht nur ein provozierender Titel, den man im übertragenen Sinne auf die Problematik des Themas Alten- und Pflegeheim beziehen kann, sondern er ist auch in Richtung der Erinnerungen und Gedanken der Seniorinnen und Senioren interpretierbar. Gerade die Durchlässigkeit des Stoffes, der als Bildträger der abgelichteten Erinnerungsstücke fungiert, verdeutlicht, daß die Erinnerungen der Menschen nicht nur in ihrem Kopf eingeschlossen sind, sondern mit unvermuteter Intensität immer wieder auch nach außen treten.