Konzeption zum Projekt 'panta rhei'
'Panta rhei' - alles fließt - bemerkte der griechische Philosoph Heraklit ( ca. 550-480 v.Chr.) und meinte damit, daß man nicht zweimal in den gleichen Fluß steigen kann, denn er bewegt sich unaufhörlich und verändert sich.
Entsprechend dieser Überlegungen ist unsere Rauminstallation kein fertiges Objekt, sondern eher eine Idee, in deren Verwirklichung das Werk entsteht. In unserer Vorstellung von künstlerischer Arbeit steht der Mensch im Vordergrund, bzw. der Rezipient und so spielen auch in dieser Konzeption die Besucher - bzw. die Bewohner des Altenheimes - eine wesentliche, aktive Rolle, denn jede(r) wird aufgefordert sein, sich am Gelingen und 'Entstehen' des Werkes zu beteiligen. Somit wird bewußt ein Teil des Vorhabens dem Zufall überlassen, da nicht vorhergesagt werden kann, wie viele Menschen sich beteiligen, bzw. was genau entstehen wird. Der Besucher wird zum Mitgestalter, der durch sein Eingreifen das Werk verändert und beeinflussen kann.
Fotografie:
Es sind auf 30 Fotografien die Lebensphasen von ganz jungen bis sehr alten Menschen
abgebildet. Die Personen wurden nach Möglichkeit in ihrem gewohnten alltäglichen
Lebensraum fotografiert; dieses Gesamtbild kann sehr viel über einen Menschen
aussagen.
Die abgebildeten Personen haben einen Altersabstand von ca. 1 bis 5 Jahren.
In manchen Lebensphasen scheinen diese Jahre ein gewaltiger Schritt zu sein,
in anderen Lebensabschnitten sind 5 Jahre kaum oder gar nicht zu erkennen.
Vom zweiten Bild an tritt eine Verfremdung in den Fotografien auf, die sich
bis zum hohen Alter so verstärkt, daß die Personen kaum noch zu erkennen sind.
Am Anfang ist der junge Mensch in seinem kleinen Aktionskreis mit wenig Erfahrungen
noch sehr klar zu erkennen. Je älter ein Mensch wird, desto größer wird sein
Erfahrungsschatz - auf den Fotografien sind mehr und mehr Schichten zu sehen.
Am Schluß liegt ein langes Leben hinter dem alten Menschen, in ihm stecken viele
Erlebnisse und Erfahrungen, die ihn geprägt haben.
Die Fotografien sind auf verrosteten Stahlplatten aufgezogen. Der Rost stellt
etwas Lebendiges dar, er wächst unter gewissen Gegebenheiten. Er ist auf jeder
Platte einmalig, sowie die abgebildeten Personen einmalig sind.
Durch die Aufhängung der Bilder frei im Raum kann der Betrachter sich mitten
in den 'Fluß des Lebens', vom Entstehen zum Vergehen, hineinbegeben. Er steht
mittendrin, wird von verschiedenen Lebensphasen umgeben. Da die Lebensphasen
nie gleichförmig sind, sind die Bilder in einer Art Wellenbewegung aufgehängt.
Höhen und Tiefen wechseln sich ab.
Durch diese Art der Aufhängung ist es für den Betrachter nicht so einfach, durch
den Raum zu gehen. Er ist ständig dazu angehalten, eine Entscheidung zu treffen,
welchen Weg er weitergehen soll.
Im Voranschreiten kann sich jeder seinen eigenen Weg und am Ende auch seinen
eigenen Platz suchen, an dem er gerade steht.
Pappe:
Zu Beginn der Ausstellung liegen ca. 300 Steckelemente aus Wellpappe offen zugänglich
gestapelt im Raum.
Die Elemente können dann zusammengesteckt und im Raum plaziert werden. Im Lauf
der Ausstellung wächst die 'Raumskulptur'. Durch das Hinzufügen, Umstecken,
Wegnehmen von Elementen durch die Besucher entsteht und vergeht das Werk permanent
aufs Neue; verändert sich laufend und ist so im Fluß. Durch die Verengung des
Raumes entsteht dort ein Labyrinth, wo die Steckelemente und die Fotografien
zusammenwirken; man muß sich seinen Weg durch das Gewirr der 'Auswüchse' bahnen,
manche Wege sind versperrt, andere erscheinen als der einzige Ausweg.